Talk Like a Pirate Day: Harr, harr!

Morgen ist «Talk Like a Pirate Day»! Noch nie gehört? Etwa auch nicht vom «Tag des Kirsch-Soufflees»? Oder vom «Tag des kalten Kakaos»? Ich auch nicht; gibt es aber alles.
Was als Blödelei zwischen zwei Freunden begonnen hat, ist seit 2002 zwar ein parodistischer, aber trotzdem internationaler Feiertag. Ein wunderbarer Anlass, endlich mal den ganzen Tag liebevoll vor sich hin zu fluchen.
Doch halt: Die gängige Übersetzung «Sprich-wie-ein-Pirat-Tag» impliziert, dass es nur männliche Exemplare der legendären Seeraubenden gab. Und am Ende auch noch, dass nur Männer an diesem Tag mitfluchen dürfen? Dabei ist sicher: Piratinnen gabs! Und fluchende Frauen gibt es immer noch. Wie benennen wir diesen Tag jetzt also fraueneinbindend?
Wer hat’s eigentlich erfunden?
Der Internationale «Talk Like a Pirate Day» entstand 1995: Die beiden Freunde Mark Summers und John Baur fingen beim Racquetball-Spielen an, sich wie Piraten anzuschreien und fanden das so lustig, dass sie auch andere teilhaben lassen wollten. Fortan feierten sie jährlich den 19. September in Seeraubendensprache. Seit der berühmte Kolumnist und Pulitzer-Preisträger Dave Barry 2002 in der New York Times darüber schrieb, feiern Menschen auf der ganzen Welt mit.
Und warum genau der 19.9.? Weil das das einzige Datum war, an dem kein anderer wichtiger Feiertag, ein Jubiläum, der Super-Bowl oder sonst was los war. Ausserdem war es der Geburtstag von Summers’ Ex-Frau, er konnte sich das Datum also merken. Wie praktisch.
Und warum nur Piraten?
Fairerweise muss man sagen, dass wenig von Piratinnen bekannt ist. Deshalb wird wohl meist ausschliesslich von Piraten gesprochen. Frauen waren im 18. Jahrhundert auf Schiffen nicht gern gesehen. Warum, darüber wollen wir hier weder spekulieren noch argumentieren. Sicher ist aber, dass es Piratinnen gab. Nur merkte es meist niemand, weil sie als Männer verkleidet waren. Ein berühmtes Beispiel ist Anne Bonny, die spätestens zur Legende wurde, als sie Seite an Seite mit der Piratin Mary Read gegen eine ganze Mannschaft kämpfte, während sich ihre eigene Besatzung unter Deck versteckte.
Das meiste, was wir von Anne Bonny wissen, kommt von «A General History of the Robberies and Muders of the Most Notoriuos Pyrates» von Captain Charles Johnson – wahrscheinlich ein Pseudonym Daniel Defoes. Anne Bonny heuerte in Nassau an und segelte fortan durch die Karibik, bekannt als furchtlos und unerbittlich.
Am besten übersetzen wir den «Talk Like a Pirate Day» also mit einer gendergerechten Variante. Wie wäre es mit: «Sprich-wie-Pirat*innen-Tag»? Oder «Sprich-wie-PiratInnen-Tag»? Möglich wäre auch «Sprich-wie-die-Pirat_innen-Tag», «Sprich-wie-Pirat/innen-Tag», «Sprich-wie-die-Pirat:innen-Tag», «Sprich-wie-die-Piratïnnen-Tag», «Sprich-wie-Pirat!nnen-Tag» oder einfach «Sprich-wie-die-Piratinnen-und-Piraten-Tag». Ist es nicht schön, aus so vielen Möglichkeiten wählen zu können?!
«Dich werd ich gleich kielholen lassen!»
Pirat*innensprache, heftige Drohung
Tipps für einen gelungenen Pirat*innen-Tag
Um den morgigen Tag gebührend zu begehen, empfehlen wir Folgendes:
• Legen Sie sich einen Pirat*innen-Namen zu. Hilfreich ist der Pirat*innenennamen-Generator. Da kommen dann Namen raus wie «Helga the Dagger» oder «Benjamin the Terrible», mit denen Sie sich in der Familie neu vorstellen können.
• Wecken Sie den Menschen neben sich im Bett frühmorgens, indem Sie die Bettdecke wegreissen und rufen: «Raus aus den Hängematten! Alle an Deck!»
• Auf dem Weg zur Arbeit – am liebsten in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Auto an der Ampel bei heruntergelassenen Fensterscheiben – lassen Sie immer mal wieder ein «Harrrrr!» verlauten.
• Begrüssen Sie Ihre Arbeitskolleg*innen mit «Ahoi, ihr Landratten!»
• Bei Besprechungen, als Ausdruck der Freude oder Überraschung, sagen Sie: «Beim Klaubautermann!» oder «Versenk mich doch!»
• Auf dem Heimweg sollten alle bereits etwas vom «Talk Like a Pirate Day» mitbekommen haben. Dann können Sie beim Einkaufen auch ruhig ein bisschen vor sich herschimpfen: «Pass auf, sonst gehst du über die Planke!» oder «Ich schick dich zu den Haien!» Auch schön: «Tod und Teufel!»
Und wenn Sie nicht genug von der Pirat*innensprache bekommen können, hier noch ein kleines Glossar und viel nützliches Hintergrundwissen zur Piraterie.
Mast- und Schotbruch!